Daidalos


Daidalos
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Baumeister, Künstler und Erfinder aus Athen, der die Stadt verlassen mußte, weil er seinen Neffen und Schüler Perdix* aus Neid von der Akropolis gestürzt hatte. Von Kretas König Minos* aufgenommen, machte sich Daidalos auf verschiedene Weise nützlich. So soll er für Ariadne* einen Tanzplatz angelegt (Ilias XVIII 590–593) und für die in einen wunderschönen Stier verliebte Pasiphae* eine hohle, verblüffend lebensechte Kuh konstruiert haben, in die sie hineinschlüpfen konnte. Für den scheußlichen Minotaurus*, den Pasiphae darin von ihrem Stier empfing, baute er das Labyrinth, in dem Minos diesen Schandfleck seiner Familie vor der Welt versteckte, und Ariadne verriet er den Trick mit dem Garnknäuel (Apollodor, Bibliothek IV 12). Das nahm Minos übel und hielt Daidalos gefangen; der aber fertigte für sich und seinen Sohn Ikaros* Flügel. Damit flogen die beiden fort, und alles wäre gut gegangen, hätte Ikaros auf seinen Vater gehört. Er aber stieg höher und höher, kam der Sonne zu nahe und stürzte ab, weil deren kräftige Strahlen den Leim erweichten, der seine Schwingen zusammenhielt. (Abbildung – Ikaros) Nachdem Daidalos seinen Sohn bestattet hatte, flüchtete er zu König Kokalos nach Sizilien, denn Minos war voll Rachsucht hinter ihm her. Um den Künstler aufzuspü-
ren, versprach er demjenigen hohen Lohn, der einen Faden durch die Windungen eines Schneckenhauses ziehen könne – auch dem Kokalos. In dessen Auftrag löste Daidalos das Problem auf folgende Weise: Er bohrte eine kleine Öffnung an der Spitze des Schneckenhauses, band dann eine Ameise an einen Faden und ließ sie durchkrabbeln. Natürlich wußte Minos gleich, wer das Kunststück fertiggebracht hatte, und verlangte die Auslieferung des Daidalos. Kokalos war dazu scheinbar bereit, schlug aber dem Fremdling vor, erst einmal ins Bad zu gehen. Dort wurde Minos von den Töchtern des Kokalos ermordet (Apollodor, Bibliothek IV 9–15; Ovid, Metamorphosen VIII 155–263).
Daidalos trägt einen redenden Namen, er ist der Künstler schlechthin, der nach verbreiteter Meinung die ersten »lebensechten« Statuen schuf. Beim Anlegen der Flügel zeigt ihn ein Wandgemälde aus Pompeji. Von den vielen Bildern, die den berühmten Flug behandeln, verdient Pieter Breughels ›Sturz des Ikarus‹ (um 1560, Brüssel, Musées Royaux des Beaux- Arts) insofern Beachtung, als hier das tragische Ende mit betonter Beiläufigkeit geschildert ist: Ungerührt führt der Bauer seinen Pflug weiter, während der kühne Flieger im Meer versinkt.

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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